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Parvovirose

Parvovirose / Parvovirus (Panleukopenie)

Parvovirose, auch Hundeseuche genannt, wurde 1978 in Europa und fast zum gleichen Zeitpunkt in den USA und Australien nachgewiesen. Es handelt sich im eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung, die das Abwehrsystem und vorzugsweise junge oder geschwächte Tiere befällt. Auch geimpfte Tiere können bei schwacher Abwehrlage erkranken; in den meisten Fällen fällt die Infektion allerdings nicht so schwer aus wie bei einem ungeimpften Tier.

Erreger:

Parvoviren sind die kleinsten tierischen DNS-Viren. Mit einer Größe von nur 17-28 nm verfügen Sie nur über 32 Kapsomeren an ihrer Oberfläche (Eiweißbausteine der Hülle). Damit das Virus sich optimal fortpflanzen kann, benötigt es Zellen, die über hohe Zellteilungsraten verfügen. Diese findet es in den Krypten des Darmes und im Lymphgewebe (Lymphknoten, Peyersche Platten des Darmes). Das Parvovirus ist der Erreger der Panleukopenie von Hund, Katze und der blutigen Darmentzündung der Nerze. Eigentlich ist das Virus wirtsspezifisch, das bedeutet, dass das Virus der Katze ausschließlich Katzen befällt. In den letzten Jahren wird jedoch diskutiert, dass dieses Virus die Artenbarriere nicht mehr respektiert und diese überspringen kann. Das heißt, dass einige mutierte Parvoviren der Katze auch Hunde infizieren können. Das Parvovirus ist sehr resistent in der Umwelt und kann dort bis zu einem halben Jahr überleben und infektiös bleiben. Nur spezielle Desinfektionsmittel können diesen widerstandsfähigen Erreger abtöten.

Übertragung:

Die Übertragung findet durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier statt. Aber auch eine indirekte Ansteckung ist möglich durch mit Kot verschmutztes Futter, Stallungen oder als Schmierinfektion. Auch andere Körperausscheidungen können Viruspartikel enthalten und somit infektiös sein. Das Virus ist sehr resistent und kann unter guten Bedingungen bis zu sechs Monate seine Ansteckungsfähigkeit erhalten. Gegenüber Säuren, Laugen und vielen Desinfektionsmitteln ist es recht unempfindlich, nur spezielle Desinfektionsmittel vermögen das Virus abzutöten.

Krankheit:

Die Inkubationszeit beträgt 2-3 Tage und 4-7 Tage, bis klinische Symptome auftreten. Der perakute Verlauf führt innerhalb von 24 Stunden zum Tod des Tieres. Dies ist vor allem bei den Welpen der Fall, denen Abwehrstoffe der Mutter fehlen. Dabei greift das Virus den Herzmuskel an und verursacht eine Entzündung. Diese führt zur Ansammlung von Wasser in den Lungen und zu Herzversagen. Beim akuten Verlauf steht eine sehr heftige Entzündung des Dünndarms (Jejunum und Ileum) im Vordergrund. Der Kot wird flüssig bis hin zu extremer Blutbeimengung, die ausgeschiedene Fetzen der Darmschleimhaut enthalten kann. Der Geruch ist sehr unangenehm und charakteristisch für Parvovirose. Die Hunde und Katzen zeigen Abgeschlagenheit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Anzeichen der Austrocknung; des Weiteren Untertemperatur oder Fieber bis 41,5° C, Erbrechen und eine Leukopenie (Verminderung der weißen Blutzellen) durch direkten Angriff des Virus auf die Abwehrstrukturen des Darmes. Diese Eigenschaft des Virus hat der Krankheit auch den Namen Panleukopenie gegeben. Wenn die Krankheit überlebt wird, dauert sie etwa 12 bis 25 Tage an. Nach überstandener Krankheit werden scheinbar keine Viren mehr ausgeschieden.

Diagnose:

Die Diagnose kann nur in der tierärztlichen Praxis durch Nachweis des Antigens (Viruspartikel im Kot) sicher nachgewiesen werden. Die zur Verfügung stehenden Test-Kits haben eine große Spezifität. Wenn Viruspartikel mit dem Kot ausgeschieden werden, ist der Test positiv. Der Parvo-Strip-Test von Megacor (Vertrieb durch Scill) und der Parvo-Snap Test der Firma Idexx sind die am häufigsten verwendeten Elisa-Tests. Blutuntersuchungen können lediglich nur Hinweise geben, zeigen aber deutlich den Zustand des Patienten an, z.B. Wasserverlust, Eiweißverlust, Salzverlust und Zustand des Abwehrsystems durch Untersuchung des Blutbildes. Auch andere Untersuchungen können herangezogen werden, in Abhängigkeit von dem jeweiligen Fall.

Therapie:

Aufgrund der Schwere der Erkrankung sollte eine Therapie nur in einer Tierklinik, die über eine Isolierstation verfügt, durchgeführt werden. Da es sich um eine Virusinfektion handelt, ist die medikamentöse Behandlung eingeschränkt. Zur Verfügung stehen Passivimpfungen (vorgefertigte Antikörper); hierbei stehen Interferone an erster Stelle. Um Sekundärinfektionen vorzubeugen, werden Antibiotika eingesetzt. Gegen den Flüssigkeits- und Nährstoffverlust sind Infusionen ein entscheidender Bestandteil der Behandlung. Bei Untertemperatur muss dem Tier Wärme von außen zugeführt werden. Das jeweilige Therapieschema muss von dem behandelnden Tierarzt  entschieden werden. Der Futterentzug ist eine wichtige Maßnahme.

Prophylaxe / Vorbeugung:

Die beste Prophylaxe ist die Schutzimpfung. Es stehen inaktivierte, also Totimpfstoffe, wie auch Lebendimpfstoffe zur Verfügung. Durch Totimpfstoffe wird zwar die Krankheit verhindert, jedoch wird nicht immer eine ausreichende Resistenz gegen die Infektion gebildet. Inaktivierte Impfstoffe führen zu einem kürzeren Impfschutz als attenuierte Lebendimpstoffe, die in Bezug auf die Stärke und Dauer des Impfschutzes am besten abschneiden. Bei den attenuierten Lebendimpfstoffen ist das Parvovirus so verändert, dass es keine Krankheit verursachen soll, jedoch werden Viruspartikel vom Impfling ausgeschieden, die möglicherweise in der Umgebung zur infektiösen Form mutieren könnten. Aus diesem Grund ist die Aktivimpfung in einigen Ländern verboten. Wir benutzen hier einen attenuierten Lebendimpfstoff. Dieser verfügt über gute Immunisierungseigenschaften, ohne dabei die Tiere zu schwächen. Die Impfung sollte jährlich erfolgen, vorausgesetzt dass regelmäßig geimpft wurde und der Termin der Jahresimpfung um nicht mehr als drei Monate überzogen wurde. Bei Welpen wird empfohlen nach der Grundimmunisierung eine zweimalige Boosterung gegen Parvovirose durchzuführen.


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