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Hüftgelenksdysplasie

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine degenerative und kongenitale (angeborene) Erkrankung des Hüftgelenks. Falsche Bewegung, falsche Ernährung und Haltung können die Entstehung bzw. das Fortschreiten der Hüftgelenksdysplasie begünstigen. Bei der Hüftgelenksdysplasie spricht man deshalb auch von einer sog. multifaktoriellen Erkrankung.

Mögliche Symptome der HD sind: Schmerzhaftigkeit des Hüftgelenks, da der Oberschenkelkopf im Acetabulum (Hüftgelenkspfanne) nur ungenügenden Halt findet. Durch seine abnorme Beweglichkeit kommt es zur Reizung der Nervenfasern der Knochenhaut des Pfannenrandes. Es kann zu Schmerzen infolge fortschreitender degenerativer Veränderungen (Cox-Arthrosen) des Hüftgelenkes kommen.

Eine beginnende HD kann sich in zunehmenden Schmerzen äußern. Manche Hunde reduzieren die Länge des Spaziergangs oder setzen sich öfter hin, andere schreien beim Spielen ab und zu auf, andere zeigen ein instabiles Gangbild. Bei Bewegungen des Gelenkes kann es zu Krepitationen kommen (Knirschen des Gelenks).

Eine zuverlässige Möglichkeit zur Erkennung des Schweregrades der Hüftgelenksdysplasie bildet die Röntgenuntersuchung (RTG-Lagerung). Da dabei die Gelenke schmerzhaft überstreckt werden müssen wird das Röntgen unter Narkose durchgeführt.

LSÜ-Twist:

Als LSÜ-twist bezeichnet man ein Symptom bei Hunden, das durch Verdrehung (engl. twist) des lumbosakralen Übergangs (LSÜ), also dem Bereich der Wirbelsäule zwischen dem letzten Lendenwirbel (Vertebra lumbalis) und dem Kreuzbein (Os sacrum) gekennzeichnet ist. Dabei kommt es zu einer gleichseitigen Seitwärtsbewegung des Beckens („Hüftschwung“) beim Vorführen der hinteren Extremität.

Während ein LSÜ-twist bei Welpen und Junghunden mit noch nicht voll ausgebildeten Hüftgelenken noch als physiologisch gilt, stellt er bei erwachsenen Hunden eine Bewegungsstörung dar. Es handelt sich um eine Ausgleichsbewegung (vikariierende Bewegung), die die Drehbewegungen des Hüftgelenks beim Vorführen der Gliedmaße ersetzt. Ein LSÜ-twist ist damit ein typisches Merkmal bei schmerzhaften Erkrankungen der Hüftgelenke, insbesondere bei der Hüftdysplasie (HD).

Schweregrade der HD:

A - HD Frei: In jeder Hinsicht unauffällige Gelenke, Norberg-Winkel* 105° oder mehr. Manchmal noch A1 wenn der Pfannenrand den Oberschenkelknochen noch weiter umgreift.

B - HD Verdacht: Schenkelkopf oder Pfannendach sind leicht ungleichmäßig und der Norberg-Winkel beträgt 105° (oder mehr), oder Norberg-Winkel kleiner als 105° aber gleichförmiger Schenkelkopf und Pfannendach.

C - Leichte HD: Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind ungleichmäßig, Norberg-Winkel 100° oder kleiner. Eventuell leichte arthrotische Veränderungen.

D - Mittlere HD: Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind deutlich ungleichmäßig mit Teilverrenkungen. Norberg-Winkel > 90°. Es kommt zu arthrotischen Veränderungen und/oder Veränderungen des Pfannenrandes.

E - Schwere HD: Auffällige Veränderungen an den Hüftgelenken (Bsp. Subluxationen), Norberg-Winkel < 90°, der Pfannenrand ist deutlich abgeflacht. Es kommt zu arthrotischen Veränderungen.

* Norberg-Winkel ist der Winkel, der zwischen dem Zentrum des Oberschenkelkopfes und dem vorderen Pfannenrand abgetragen wird.

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist nicht heilbar. Man kann allerdings - z.B. mit der Hundephysiotherapie das Auftreten klinischer Symptome und das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern, bzw. die Schmerzen reduzieren. Je häufiger der Hund bestimmte Bewegungsabläufe ausführt, desto schneller verschleißt die Hüfte. Zu diesen Bewegungen gehören vor allem jene, die die Gelenke besonders stauchen, wie Treppenlaufen, Springen auf harten Untergründen und ähnliche. Man kann dem Hund mit frühzeitigem Erkennen und richtigem Umgang mit der Krankheit ein normales Leben ermöglichen.

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Antiphlogistika).
  • PIN-Operation: Durchtrennung oder Entfernung des Musculus pectineus sowie Umschneiden des Gelenkkapselrandes zur Unterbindung der schmerzleitenden Nervenfasern. Dies ist eine sehr effektive Schmerztherapie, deren Wirkung mehrere Jahre anhält. Allerdings schreitet die arthrotische Veränderung des Gelenkes unvermindert fort.
  • Dreifach-Becken-Osteotomie: Dazu werden alle drei Beckenknochen (Darmbein, Sitzbein und Schambein) durchtrennt, das Becken etwas zur Seite gekippt und die Knochen anschließend wieder durch Osteosynthese verbunden. Ziel ist es, dass der Oberschenkelkopf wieder besser zur Hüftgelenkspfanne steht. Diese Operation ist aufwändig und nur bei jungen Hunden anzuraten, bei denen noch keine sichtbaren Veränderungen an der Gestalt des Femurkopfs im Sinne einer beginnenden Arthrose bestehen.
  • TEP-Operation: Einsetzen einer Totalendoprothese (Künstliches Hüftgelenk).
  • Femurkopfresektion: Dabei wird der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens (Caput ossis femoris) entfernt, worauf sich eine bindegewebige Verbindung zwischen Becken und Oberschenkelknochen entwickelt. Verbunden mit intensiver Physiotherapie bietet diese Methode gute Chancen, ein schmerzfreies Leben zu führen. Häufig bleibt durch diese Behandlungsmethode jedoch eine dauerhafte Funktionsstörung zurück.
  • Goldakupunktur: Einsetzen von einem oder mehreren Goldstiften in die Muskulatur an Akupunkturpunkten. Die Goldstifte verbleiben in der Muskulatur.

Prophylaxe:

Eine Verhinderung des Fortschreitens der Hüftgelenksdysplasie kann durch richtige Ernährung und nicht zu viel Hundesport (Dog Dancing, Agility etc.) - vor allem durch Wenigbelastung und das Vermeiden von Stauchungen und/oder Überdehnungen des Hüftgelenkes - erreicht werden.

Eine Physiotherapie kann durch den gezielten Aufbau der Becken- und Oberschenkelmuskulatur das Hüftgelenk entlasten. Die Zugabe von knorpelaufbauenden Zusatzfuttermitteln ist ebenfalls sehr hilfreich.


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